Liebe Leserinnen
und Leser,
haben Sie auch
diese furchtbare Gruselsendung im Fernsehen geguckt? Nein, ich meine nicht die
letzte Ausgabe der Giovanni Zarella-Show, sondern die Landtagswahlen in
Sachsen-Anhalt, wobei der zweite Teil des Namens dieses kleinen Bundeslandes
leider nicht erhört wurde.
Jetzt haben wir
den blaubraunen Salat, denn die Wählerinnen und Wähler haben tatsächlich mit
rund 44% die AfD gewählt – eine demokratische Katastrophe mit Ansage. Deren
Spitzenkandidat Ulrich Sigmund hat sich sozusagen durch den Wahlkampf gegrinst,
meistens gegrillt, Selfies mit jedem gemacht, der nicht schnell genug wegkam
und T-Shirts mit seinem Antlitz verteilt, die sich dann an schwitzende, von
Bier und Würstchen gebildhauerte Körper anschmiegten.
Hach, was isser
aber auch für’n netten Jung, was? Der blonde Fascho mit den schönen blauen
Augen und der tollen Tolle. Sein grinsen versteinerte dann am Wahlabend doch,
als er im Heute-Journal Interview von Caren Miosga mehrfach gefragt wurde, wie
es denn jetzt weiterginge, da die AfD ja doch keine absolute Mehrheit errungen
hätte. Die hatte der fesche Recke nämlich zuvor immer als Voraussetzung seiner
Regierungsübernahme dargestellt.
Wahrscheinlich
betete er innerlich, dass dieser Kelch voller Verantwortung doch bitte an ihm
vorübergehen mochte – doch Pustekuchen, voller Elan kam Alice, die dauerkeifende
Matrone aus der Schweiz daher und pochte sogleich darauf, dass dieses Ergebnis
der Regierungsauftrag vom Wähler sei, so ein Mist. Flugs deutete der Uli alles
um und ratterte seinen neuen Spruch ins Mikro, dass man sich nicht verbiegen
lassen würde und überhaupt sehr ehrlich sei … und strafte damit seine Worte vom
Vortag lügen. „Wir sind Demokraten, wir strecken die Hand aus“, ließ er in dem
Interview mehrfach verlautbaren. Ne, seid ihr nicht. Ihr seid Faschisten und
wenn ihr die Hand austreckt, dann immer so komisch schräg nach oben, das sieht
scheiße aus. Apropos Scheiße: wenn 44% der Menschen plötzlich gerne Scheiße
fressen, dann muss ich das noch längst nicht gut finden und auch damit
anfangen. So viel als Antwort auf die Floskel, es sei doch ein demokratisches
Ergebnis, das man respektieren müsse.
Die Reaktionen der
anderen Parteien waren an diesem Abend und am Folgetag aber auch erwähnenswert.
Tja, die FDP zum Beispiel. Man soll ja nicht schlecht über Tote sprechen, aber
das wird wohl nichts mehr mit denen. Können einem fast leidtun, die … auch ne,
doch nicht. Und dann die alte Tante SPD. Plötzlich wird man sich im
Parteivorstand bewusst, dass da irgendetwas mit der Politik in Berlin nicht
stimmt. Dass die Sozialreformen vielleicht doch noch einmal überdacht …
Herrschaften, wenn es dazu eines Sieges der Faschisten gebraucht hat, dann
müsst ihr euch nicht wundern, weshalb ihr in den Umfragen bald unterhalb der
Prozentzahl von Kölsch herumdümpelt. Wenn das so weitergeht, wird die SPD stets
die Fünfprozenthürde überspringen – und zwar nach unten!
Last but not least
die CDU. Kaum war das desaströse Ergebnis bekannt, kam auch schon Philipp
Amthor, die Fleisch gewordene Reinkarnation von Alfred E. Neumann aus den
Mad-Heften auf einer Schleimspur daher gerutscht und warf sich vor seinen Chef,
Friedrich den nicht ganz so Großen. „Keine Personaldebatten jetzt!“ rief er aus.
Und die Quintessenz des Wahlergebnisses muss seiner Meinung nach lauten, dass
die Reformen jetzt noch schneller durchgepeitscht werden müssen, damit die Menschen
endlich die Segnungen höherer Zuzahlungen und weniger Leistungen der
Sozialversicherungen erleben und begreifen, diese Dummis.
Wenn das nicht
alles so furchtbar und die Demokratie nicht gerade dabei wäre, sich nach über
80 Jahren langsam aus diesem Land zu verabschieden, dann könnte man über diese
ganze Politposse nach dem Wahlsieg der AfD nur noch grinsen … so wie der Uli.
Aber das vergeht einem ganz schnell wieder. Hoffentlich ihm auch bald!
Herzlichst
Ihr Meckerator

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