Montag, 7. September 2026

Grinsen

 

Liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie auch diese furchtbare Gruselsendung im Fernsehen geguckt? Nein, ich meine nicht die letzte Ausgabe der Giovanni Zarella-Show, sondern die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, wobei der zweite Teil des Namens dieses kleinen Bundeslandes leider nicht erhört wurde.

Jetzt haben wir den blaubraunen Salat, denn die Wählerinnen und Wähler haben tatsächlich mit rund 44% die AfD gewählt – eine demokratische Katastrophe mit Ansage. Deren Spitzenkandidat Ulrich Sigmund hat sich sozusagen durch den Wahlkampf gegrinst, meistens gegrillt, Selfies mit jedem gemacht, der nicht schnell genug wegkam und T-Shirts mit seinem Antlitz verteilt, die sich dann an schwitzende, von Bier und Würstchen gebildhauerte Körper anschmiegten.

Hach, was isser aber auch für’n netten Jung, was? Der blonde Fascho mit den schönen blauen Augen und der tollen Tolle. Sein grinsen versteinerte dann am Wahlabend doch, als er im Heute-Journal Interview von Caren Miosga mehrfach gefragt wurde, wie es denn jetzt weiterginge, da die AfD ja doch keine absolute Mehrheit errungen hätte. Die hatte der fesche Recke nämlich zuvor immer als Voraussetzung seiner Regierungsübernahme dargestellt.

Wahrscheinlich betete er innerlich, dass dieser Kelch voller Verantwortung doch bitte an ihm vorübergehen mochte – doch Pustekuchen, voller Elan kam Alice, die dauerkeifende Matrone aus der Schweiz daher und pochte sogleich darauf, dass dieses Ergebnis der Regierungsauftrag vom Wähler sei, so ein Mist. Flugs deutete der Uli alles um und ratterte seinen neuen Spruch ins Mikro, dass man sich nicht verbiegen lassen würde und überhaupt sehr ehrlich sei … und strafte damit seine Worte vom Vortag lügen. „Wir sind Demokraten, wir strecken die Hand aus“, ließ er in dem Interview mehrfach verlautbaren. Ne, seid ihr nicht. Ihr seid Faschisten und wenn ihr die Hand austreckt, dann immer so komisch schräg nach oben, das sieht scheiße aus. Apropos Scheiße: wenn 44% der Menschen plötzlich gerne Scheiße fressen, dann muss ich das noch längst nicht gut finden und auch damit anfangen. So viel als Antwort auf die Floskel, es sei doch ein demokratisches Ergebnis, das man respektieren müsse.

Die Reaktionen der anderen Parteien waren an diesem Abend und am Folgetag aber auch erwähnenswert. Tja, die FDP zum Beispiel. Man soll ja nicht schlecht über Tote sprechen, aber das wird wohl nichts mehr mit denen. Können einem fast leidtun, die … auch ne, doch nicht. Und dann die alte Tante SPD. Plötzlich wird man sich im Parteivorstand bewusst, dass da irgendetwas mit der Politik in Berlin nicht stimmt. Dass die Sozialreformen vielleicht doch noch einmal überdacht … Herrschaften, wenn es dazu eines Sieges der Faschisten gebraucht hat, dann müsst ihr euch nicht wundern, weshalb ihr in den Umfragen bald unterhalb der Prozentzahl von Kölsch herumdümpelt. Wenn das so weitergeht, wird die SPD stets die Fünfprozenthürde überspringen – und zwar nach unten!

Last but not least die CDU. Kaum war das desaströse Ergebnis bekannt, kam auch schon Philipp Amthor, die Fleisch gewordene Reinkarnation von Alfred E. Neumann aus den Mad-Heften auf einer Schleimspur daher gerutscht und warf sich vor seinen Chef, Friedrich den nicht ganz so Großen. „Keine Personaldebatten jetzt!“ rief er aus. Und die Quintessenz des Wahlergebnisses muss seiner Meinung nach lauten, dass die Reformen jetzt noch schneller durchgepeitscht werden müssen, damit die Menschen endlich die Segnungen höherer Zuzahlungen und weniger Leistungen der Sozialversicherungen erleben und begreifen, diese Dummis.

Wenn das nicht alles so furchtbar und die Demokratie nicht gerade dabei wäre, sich nach über 80 Jahren langsam aus diesem Land zu verabschieden, dann könnte man über diese ganze Politposse nach dem Wahlsieg der AfD nur noch grinsen … so wie der Uli. Aber das vergeht einem ganz schnell wieder. Hoffentlich ihm auch bald!

 

Herzlichst

Ihr Meckerator